Buchbericht: Stories of your Life and Others (7-8)

Dies ist mein Abschlussbericht von Ted Chiangs Stories of your Life and Others und Teil der gemeinsamen Leseaktion mit den wunderbaren Bloggerinnen Miss Booleana, Kathrin und dj7o9.

Wie auch in den letzten Berichten greife ich die Elemente der Geschichten auf, die ich als besonders interessant empfand. Um nicht gespoilert zu werden, bietet es sich also an die Geschichten vorher zu lesen.

Hell is the Absence of God

For him the mystery was solved, because he understood that everything in life is love, even pain, especially pain.

Hell is the Absence of God by Ted Chiang

Hell is the Absence of God ist wieder eine Geschichte deren Titel sich in der Handlung ständig zu reflektieren scheint. Anstoß der Handlung bringen dabei Engelserscheinungen in Begleitung von Katastrophen als Verkünder Gottes auf Erden. Beim Erscheinen des Engels Nathanael stirbt die Frau des Protagonisten Neil Fisk. Nicht zuletzt dank der Liebe zu seiner Frau konnte Neil die vielen ihm vom Leben zugefügten Verletzungen schließen. Jetzt wo sie nicht mehr da ist, geht seine Welt in einer Flut von Schmerz und Verlust unter. Er kann das Geschehene nicht akzeptieren und noch weniger findet er Antworten darauf, wie er mit dieser Katastrophe umgehen soll, wie er sie überwinden kann. Vielleicht ist seine letzte Hoffnung das Verschließen der Augen vor der Wirklichkeit. Der Versuch dies zu tun endet fatal und konfrontiert ihn unausweichlich mit der Ausweglosigkeit seines Vorhabens. Neil findet die von ihm gesuchten Antworten in der unabdingbaren Bedingtheit aller Dinge. Die Erkenntnis, dass das Schlechte nicht nur das Gute bedingt sondern auch die Richtung zu ihm weisen kann. Die Gewissheit, dass Gott im Guten gesucht werden muss. Seine Antwort besteht erneut im Verschließen seiner Augen, aber nicht mehr vor allem Guten sondern vor allem Schlechten. Eine Antwort die weder Schmerz noch Elend revidieren können. Eine Antwort wie ein Licht in der Finsternis.

Liking what you see: A documentary

I still think they were wrong; they thought getting rid of beauty would help make a utopia, and I don´t believe that at all. Beauty isn´t the problem, […]

Liking what you see: A documentary by Ted Chiang

Schönheit öffnet viele Türen und ist nicht zuletzt deshalb für viele Leute ein sehr hohes Gut. Ein Gut, dass allerdings nicht jeder besitzen kann und das noch seltener von Dauer ist. Wie unser ganzes Erscheinen ist auch Schönheit bei vielen Tätigkeiten von geringem gesellschaftlichen Wert und Nutzen. Ist es daher wünschenswert unser Empfinden entsprechend zu steuern? Chiangs Geschichte gibt viele Antworten und führt auch vor Augen, dass Schönheit nur ein Teil unseres Erscheinens ausmacht. Der Habitus bestimmt wohl deutlich stärker die Wirkung auf andere ohne einen Wert zu liefern. Auch ist durch Schönheit wohl noch nie jemand unterdrückt wurden, sondern jeder ist frei ihr so viel Bedeutung zu geben wie er möchte. Wenn Werte, Vernunft und Zweckdienlichkeit unser Handeln lenken, dann findet Schönheit denke ich einen angemessenen Platz von ganz allein.

Fazit

Die Geschichten haben mir gut bis sehr gut gefallen. Meine Favoriten sind – wie man vielleicht schon anhand der Besprechungen erahnen konnte – Tower of Babylon, Understand, Story of your life und  Hell is the Absence of God. Generell gelingt es Chiang auf wenigen Seiten ein Bild zu skizzieren, dass den Leser dazu einlädt offene Stellen mit eigenen Gedanken auszumalen. Vielleicht wird man sich gerade dadurch so manchem bewusst, dass man als Bereicherung des Leseerlebnisses mitnehmen darf. Der Rahmen der Geschichten ist so gewählt, dass mir der Buchtitel Stories of your life and others als sehr passend erscheint.

Vielen Dank an meine Mitleserinnen für die Möglichkeit an der Leseaktion teilzunehmen. 🙂 Auch wenn mein Lesefortschritt hoffnungslos zurückblieb, habe ich durch die Aktion doch deutlich mehr aus dem Buch mitgenommen als wenn ich es alleine gelesen hätte. 🙂

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Buchbericht: Stories Of Your Life And Others (4-6)

Dies ist mein zweiter Zwischenbericht zu Ted Chiangs Stories Of Your Life And Others und Teil der gemeinsamen Leseaktion mit Miss Booleana, Kathrin und dj7o9.

Wie auch im ersten Zwischenbericht ist es empfehlenswert die Geschichten vorher gelesen zu haben, wobei auch dieser Bericht lediglich meine Leseeindrücke zusammenfasst und keine harten Spoiler enthält.

Story of your Life

From the beginning I knew my destination, and I chose my route accordingly. But am I working toward an extreme of joy, or of pain? Will I achieve a minimum, or a maximum?

Story of your Life by Ted Chiang

Die zugehörige Verfilmung Arrival empfand ich als ganz großes Kino und sie lieferte auch den Anstoß das Buch überhaupt zu kaufen. Wo beim Film die Begeisterung dominierte, bleibt mir bei der Geschichte nur traurige Nachdenklichkeit. Selbstbestimmtheit bedeutet wohl, dass zwischen Ursache und Wirkung die Entscheidung Platz findet und aus vergangenem die Zukunft entstehen lässt. Was tut man, wenn alle Erwartungen und Vorgehensweisen auf die man seine Entscheidungen stützt wegbrechen? Wie überlebt man, wenn das eigene Leben zur Vergangenheit wird? Ändert man seine Blickrichtung auf die Welt, wenn die ursprüngliche nicht mehr weiterführt? Kann man sich Zuversicht und den Glauben an das Leben bewahren?

Seventy-Two Letters

As all things are reflections of God, so are all names reflections of the divine name.

Seventy-Two Letters by Ted Chiang

Nur 72 Zeichen um alles Wesentliche zu beschreiben? Als Programmierer mag man sich eine so mächtige Sprache wünschen, wobei die wohl keiner mehr verstehen würde. Aber zumindest das Problem des Auffindens eines passenden Namens teilt wohl jeder Programmierer mit Robert Stratton. Dabei greift die Geschichte durch die Beschäftigung mit Namen wie auch ihr Vorgänger sprachliche Aspekte auf und stellt die Funktion und den Namen von Objekten in Beziehung. Passend, dass sich das Leben nur oberflächlich durch einen Namen beschreiben lässt. Davon mal abgesehen, gefiel mir das steampunkige Setting der Geschichte sehr gut. Nach meinem Ermessen versucht die Geschichte aber weniger als die bisherigen die Außen- und Innenwelt der Charaktere in Beziehung zu setzen und das hatte mir doch sehr gut gefallen.

The Evolution of Human Science

[…], but one of its cost to human researchers was the realization that they would likely never make a contribution to science […]

The Evolution of Human Science by Ted Chiang

Eine sehr kurze Geschichte mit Bezug zur Wissenschaft. Wenn man bedenkt wie wenige Wissenschaftler tatsächlich relevante Beiträge zum Fortschritt der Wissenschaft leisten und wie viele tatsächlich nur durch Verständnis, Aufbereitung und Vermittelung ihren Beitrag zu ihr leisten, scheint die Geschichte sehr viel aktueller. Bei manchen Theorien hatte wohl jeder schon den Eindruck, dass darauf nur Meta-Humans hätten kommen können und man dringend eine Sugimoto Therapie benötigt.

Buchbericht: Stories Of Your Life And Others (1-3)

Vor einiger Zeit habe ich mich der Leseaktion der wunderbaren Bloggerinnen Miss Booleana, Kathrin und dj7o9 von Stories Of Your Life And Others des ausgezeichneten Ted Chiang angeschlossen. Analog zu den mir inzwischen davon gepreschten Mitleserinnen möchte ich an dieser Stelle mein erstes Zwischenfazit ziehen. Es schildert meine Eindrück zu den ersten drei Geschichten, weshalb man diese zuvor gelesen haben sollte um sich nicht das Leseerlebnis der vielsagenden Geschichten zu schmälern. Dabei sind die Eindrücke nur subjektiv und direkt und trotzdem hoffe ich, dass sie lesenswert sind. 🙂

Die ersten Geschichten handeln wie Kathrin richtig festgestellt hat vom Streben, wobei der Fokus stets auf andere Aspekte gelegt wird. Stets scheint mir bei Chiangs Geschichten der Titel des Buches wunderbar passend zu sein und wie auch der Titel mannigfaltig zu reflektieren.

Tower of Babylon

„Yet through their endeavour, men would glimpse the unimaginable artistry of Yahweh´s work, in seeing how ingeniously the world had been constructed. By this construction, Yahweh´s work was indicated, and Yahweh´s work was concealed.“

Tower of Babylon by Ted Chiang

Anders als beim biblischen Turmbau zu Babel wird hier nicht gebaut um Gott zu trotzen, sondern um ihn und sein Werk im Streben nach Höheren zu ehren. Mir kommt dabei Die Erschaffung Adams in den Sinn. Gemeinsam ist beiden Bauvorhaben allerdings, dass die Gemeinschaft ihr Fundament bildet.

Wenn ich mir den Turm vorstelle, dann scheint mir nicht zuletzt durch den großartigen ersten Absatz der Geschichte neben dem Raum vorallem auch die Zeit den Turm begreifbar zu machen. Für mich ist der Turm ein Sinnbild für die großen Errungenschaften der Menschheit, die wie der Turm nur langwierig und unter größten Anstrengungen erreicht werden können und uns doch, wenn sie erst einmal erreicht wurden, so viel leichter auf bekanntem Pfade emporsteigen lassen.

Der Hauptaspekt der Geschichte ist das Streben und damit auch ein individueller, es ist Hillalums Geschichte. Ich habe mich oft gefragt, ob wir nach etwas Streben um unsere Grenzen zu erkennen und dadurch uns selbst. So würde uns jedes Streben egal in welche Richtung stets auf uns selbst zurückwerfen. So lese ich auch die Geschichte und bin schwer beeindruckt wie Chiang dies sprachlich so geschickt und konsequent in Worte fassen konnte.

And then it came to him: a seal cylinder. When rolled upon a tablet of soft clay, the carved cylinder left an imprint that formed a picture.

Tower of Babylon by Ted Chiang

Understand

I concede his greater ingenuity. It bodes well for his endeavor. Pragmatism avails a savior far more than aestheticsm.

Understand by Ted Chiang

Die liebsten Bücher sind mir, welche einem erlauben nicht nur eine Geschichte sondern vorallem in sich selbst zu lesen. Understand empfand ich schwer zu verstehen, vielleicht gerade weil diese Geschichte einen den Spiegel vorhält? Wobei ein Spiegel ja nur zum Erkennen, nicht aber zum Verstehen taugt. Ist Leon also das Spiegelbild und das Verstehen wird dem Leser überlassen? Verschwindet Leon dann, wenn wir verstanden haben? Und was sollen wir eigentlich verstehen? Uns selbst, also Leon? Leon, den Erstarrten und Erfrorenen, der sich durch einen Albtraum zurück ins und um sein Leben kämpft? Leon, den rein passiven Beobachter, den seine Fähigkeiten mehr interessieren als seine Handlungen? Leon, dem es ausreicht die unzähligen Gestalten zu erkennen, weil erkennen ausreicht um Gefahren auszuweichen? Ausweichen genügt ja um nicht wieder verletzt zu werden? Leon, der sich lieber selbst zerstört als einem Anderen dazu die Gelegenheit zu geben? Interessant!!

Division by Zero

There is nothing which can be multiplied by zero to produce a nonzero result; therefore, the result of a division by zero is literally ‘undefined.

Division by Zero by Ted Chiang

Eine schöne und in meinen Augen sehr empathische Geschichte, die eine Liebebeziehung und Mathematik in Relation setzt. Wenn man bedenkt wie viel Hingabe, Akzeptanz und Verständnis Mathe einem abverlangt, dann wirkt das fast naheliegend. 😉 Nach dem Lesen von Division by Zero mag man beinahe glauben, dass die Beziehung bijektiv sein könnte.. 😉

No Longer Human

Mine has been a life of much shame.
I can´t even guess myself what it must be
to live the life of a human being.
Osamu Dazai

No Longer Human wurde von Osamu Dazai im Jahre 1948 geschrieben, enthält stark autobiographische Züge und ist mit 177 Seiten schnell gelesen. Der Artikel enthält keine harten Spoiler.

Das Buch erzählt die Lebensgeschichte von Oba Yozo, welcher in sehr wohlhabenden Verhältnissen zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufwächst. Yozo ist ein kränkelndes, aber außerordentlich begabtes und sensibles Kind und doch wird Yozos Kindheit von konstanter Angst überschattet. Ihn quält seit seiner frühsten Kindheit eine ständige Angst vor Menschen, da er sich nicht ansatzweise vorstellen kann, was in anderen Menschen vorgeht. Als Folge dieser Angst lebt Yozo in ständiger Verstellung und präsentiert seinen Mitmenschen nur eine Fassade mit denen er sie zu besänftigen hofft.

 

Mit zunehmenden Alter beginnt sicht Yozo zunehmend für Malerei zu interessieren und anstelle des regulären Unterrichts – für den er sich heimlich freistellen lässt – besucht er Kunstkurse. Dabei ist die Kunst ein Ventil für ihn um sein hinter der Fassade weggesperrtes selbst aus seinem inneren Gefängnis zu entlassen. Leider vermag er es nicht seine inneren Barrieren zu überwinden. Gequält von seiner Angst und belastet durch seine Fassade, flüchtet sich Yozo zunehmend in Alkohol und zahlreiche weitere Laster und gerät so in eine tragische Abwärtsspirale.

Mit fortlaufender Handlung wird Yozo dabei klarer, dass seine Angst vor Menschen eigentlich eine Angst vor Individuen ist. Dass diese im Grunde wohl aus der Furcht resultiert den Erwartungen seines Vaters nicht zu genügen, vermag er dabei nicht klar zu fassen. Es ist wohl der Wunsch diesen Erwartungen zu genügen, der bei ihm zu einer Ablehnung seiner selbst geführt hat und er glaubt daher, dass auch alle anderen Menschen ihn ablehnen müssten, wenn sie ihn nur richtig kennen würden. Und doch eine wichtige, jederzeit präsente Rahmenbedingung des Lebens verinnerlicht er:

Everything passes.
That is the one and only thing I have thought resembled a truth in the society of human beings where I have dwelled up to now as in a burning hell.
Everything passes.

So einfach diese Erkenntnis auch ist, so erlösend kann sie sein, denn sie diktiert ein vorwärtsgerichtetes Handeln und Leben.

Der Mehrwert des Buchs besteht in der Verknüfung von Schlüsselmomenten des Erwachsenwerdens und in einer worse-case Beschreibung der Konsequenzen, die daraus erwachsen können. Auch die Offenheit der Gefühlswelt des Protagonisten ist nicht zu letzte aufgrund der autobiographischen Prägung des Buches eine Bereicherung.

Tragisch ist dabei, dass Yozo/Dazai von Kindheit an mit allem ausgestattet wurde um es im Leben weit zu bringen, aber sein innerer Konflikt alles zunichte macht. Noch tragischer ist die Tatsache, dass das Buch im Vergleich zu Dazais Leben ein Happy-End besitzt, denn Dazai wählte kurz nach der Veröffentlichung des Buchs den Freitod.

Ein Wertung entfällt für dieses Buch.

Seikai Suru Kado: The Right Answer

Der Anime  Kado: The Right Answer fragt nach der richtigen Antwort und vesucht diese dem Zuschauer durch Interpretation zum Geschenk zu machen. Dabei sind die Antworten, die der Anime bereithält, ebenso subtil wie seine Fragen und doch vermag er gerade dadurch zu gefallen. Das Review enthält Interpretationen zu Details, aber keine harten Spoiler.

Der Protagonist des Animes ist Kōjirō Shindō, welcher im Auftrag des Auswertigen Amtes als Vermittler tätig ist. Dabei wird Shindos Leben auf den Kopf gestellt als ein außerirdisches Flugobjekt in Form eines riesigen Würfels mit seinem Leben kollidiert. Ein Konflikt zeichnet sich aber nicht ab, im Gegenteil: Frohlockt, die Fremden bringen Geschenke. Es geht dabei aber nicht um Außerirdische, sondern er versucht ein Licht auf Gesellschaft, Fortschritt, Menschlichkeit und das einzelne Individuum zu werfen. Dabei hat er den Autor dieses Artikels zunächst an Arrival erinnert und dieser schätzt das Wagnis das dabei auch hier eingegangen wurden.

 

Intro: Kado – The Right Answer

Leider – aber vielleicht auch kaum vermeidbar – bleibt der Anime in Anbetracht der Härte und Weite seines Feldes subtil in Fragen wie auch Antworten. Ein gutes Beispiel dafür ist der außerirdische Würfel: Wie jeder Würfel besteht dieser aus sechs Rechtecken, aber auch seine Oberfläche weist fraktale, sich verändernde Rechteckstrukturen auf. Mit dem Rechteck als Symbol für das technische und gestalterische Geschick des Menschen mag es als Sinnbild für überragende technologische Errungenschaften stehen.

 

Auch bespiegelt sich darin ein wesentlicher Aspekt des Animes, der sich auf die Begrenztheit der Anschauung bezieht bei der ein Würfel wie ein zweidimensionales Gebilde, wie ein Quadrat wirken kann. Es sind diese Analogien die erkennen lassen, dass viele Gedanken in den Anime geflossen sind und sie verleihen ihm große Teile eines Wertes. Seinen Tiefgang erhält der Anime bei seinem Versuch solche zentralen Symbole in Beziehung zu setzen und ihre Bedeutung für das individuelle Leben zu betrachten.

 

Dabei verzichtet der Anime auf Action, kommt überaus nüchtern daher und vermag doch auf eigentümliche Art zu unterhalten, zu bewegen und zu bereichern. Selten habe ich das Gefühl, dass ein Anime zu wenig Episoden hatte um sein Botschaft zu vermitteln – hier ist es der Fall. Künstlerisch begrenzt ist der Anime in seiner zeichnerischen Umsetzung, welche sehr CG-lastig wirkt und oft wenige Details bietet. Wer gefallen an Metaphern und Sinnbildern hat, der wird denke ich trotzdem viel Gefallen an dem Anime finden.

Wertung:

stars_40h

KADO: The Right Answer wird zur Zeit auf Crunchyroll verschenkt. Bei Interesse verschickt der Autor dieser Zeilen gerne Guest Passes auf Crunchyroll mit denen die Werbelast minimiert und damit das Filmerlebnis erhöht werden kann.

Von Oerlinghausen zum Hermannsdenkmal

„Ein Lächeln möchte ich Dir schenken
und von der Stirn die Falten streichen
Dich von Gedanken abzulenken
das Deine Sorgen endlich weichen“

Greta Hennen

Diese schönen Zeilen begegnen einem als Teil des Literaturpfades auf dem Hermannsweg. Der Hermannsweg ist einer der bekanntesten Wanderwege Deutschlands und verläuft bei einer Länge von 160 km von Rheine quer durch den Norden von NRW bis zu den Externsteinen bei Detmold. Eine der letzten Etappen des Weges führt vom idyllischen Bergstädtchen Oerlinghausen zum namensstiftenden Hermannsdenkmal.  Bei einer Weglänge von mehr als 18 km bleibt garantiert so mancher Gedanke und so manche Sorge auf der Strecke.

Oerlinghausen ist zwar recht klein, aber charmant und bietet unter anderem viele Wandermöglichkeiten. Von Oerlinghausens Hauptstraße aus führt einen die Himmelsleiter nicht nur in die Höhe sondern auch ins Grüne.

Das Bergstädtchen Oerlinghausen

Nach wenigen Schritten erreicht man eines der Wahrzeichen Oerlinghausens: Die Kumsttonne. Tonne ist visuell recht passend und für den interessierten Leser soll gesagt sein, dass Kumst ist ein anderes Wort für Sauerkraut ist. Früher war die Kumsttonne mal eine Mühle von der aber nur noch der Stumpf übrig geblieben ist.

Der Nachfolgende Wanderweg ist nahezu durchweg schön und fest vom satten Grün des Teuteburger Walds umschlungen. Die Wege sind leicht begehbar und eigenen sich durchweg auch für eine Erkundung mit dem Fahrrad.

An allen Wegkreuzungen markieren Aufkleber mit einem H den Hermannsweg, wobei manche Abzweigungen als solches nicht ganz einfach zu erkennen sind und dazu einladen auch das nähere Umland zu erkunden. 😉 Sollten einem dabei die Kräfte verlassen, hat man die Gelegenheit bei einigen direkt man Hermannsweg gelegenen Restaurants einzukehren.

Zum Ende hin wird der Weg immer schmaler und schöner, aber auch steiler. Wenn auch die letzten Meter des Weges erklommen sind, findet man sich zu Hermanns Füßen wieder und kann für ein paar Euro von der Aussichtsplattform des Denkmals das Umland und den herrlichen Teuteburger Wald bewundern.

Bis zur Erbauung der Freiheitsstatur im Jahre 1875 war der Hermann die größte Statur der westlichen Welt. Er erinnert an den Fürsten Arminius, der in der Schlacht am Teuteburger Wald die germanischen Stämme vereinige und die Römer vernichtend schlug. Als Sinnbild für ein geeintes Deutschland grüßt er nach Westen und Frankreich und ist damit ein Stück aus der Zeit gefallen.

Neben dem Denkmal finden sich auf dem Gipfel auch ein Restaurant, ein Hochseilgarten sowie ein Parkplatz und eine Anbindung an den ÖPNV nach Detmold, bei dem problemlos auch Fahrräder mitgenommen werden können.

Versatile Blogger Award

Die wunderbare Miss Booleana hat mich liebenswürdigerweise für den VBA nominiert. Herzlichen Dank dafür! So ist es nun an mir sieben Sachen über mich zu sagen. Los gehts!

Ich mach mir gerne selbst ein Bild

aber mehr noch als Fotografie schätze ich den Besuch von Bildergalerien, wobei ich Kunst ganz generell auf naive Weise konsumiere. Dabei kann ich mich lange in einem Bild verlieren – sehr zum Leidwesen vieler Begleiter. Die drei wohlbekannten Meisterstiche von Albrecht Dürer eigenen sich dazu besonders gut.

Ich will ehrlich sein: Bei Fotografie bin ich erst beim Kauf einer passablen Kamera angekommen… Aber da wäre ja noch OpenGL . . . 😉 Nächster Punkt!

Dicht, Dichter, Dichtung

Risse und Fugen im Leben dichte ich mit Gedichten und Zitaten ab – sie sind auch das was mir einfällt, wenn mir nichts mehr einfällt. In der Hoffnung den Artikel deutlich lesenswerter zu machen ein Zitat:

Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben,
Was Dich in Wahrheit hebt und hält
Muß in Dir selber leben.

Wenn’s Deinem Innersten gebricht
An ächten Stolzes Stütze,
Ob dann die Welt Dir Beifall spricht
Ist all Dir wenig nütze.

Das flüchtge Lob, des Tages Ruhm
Magst Du dem Eitlen gönnen;
Das aber sei Dein Heiligthum:
Vor Dir bestehen können.

Theodor Fontane

Theodor Fontane hat viele tolle Gedichte. Mehr will ich an dieser Stelle gar nicht schreiben. 😉

So schreitet in dem engen Bretterhaus, Den ganzen Kreis der Schöpfung aus

Eine meiner liebsten Freizeitaktivitäten ist der Besuch von Theaterveranstaltungen. Nur weniges vermag mir in so kurzer Zeit so viele Eindrücke mitzugeben und mich so gleich langfristig zu bereichern. Empfehlungen sind in dieser Kategorie natürlich schwierig, aber mein Eindruck ist, dass die deutschen Theater sehr viel zu bieten haben – nicht zu letzt sicherlich auch aufgrund von erheblichen Steuerzuschüssen. Tendenziell würde ich sagen: Je wichtiger die Stadt desto besser ihr bestes Theater. 😉

Was ich schreibe, liest kaum ein Mensch

Bei Bloggern kann man das Wesen gewöhnlich aus dem Namen lesen: Ich bin Softwareentwickler. 😉 Die Neigung in Richtung IT ist schon früh durch die Anschaffung eines Computers gestärkt wurden, aber die Ausrichtung auf Softwareentwicklung hat sich erst später gefestigt. Erstrebenswert wäre für mich auch eine Tätigkeit in der Forschung gewesen, allerdings ist der Bedarf an Softwareentwicklern größer und meine Fähigkeiten dort besser aufgehoben. Das heißt natürlich nicht, dass ich meinen Beruf nicht mag – ich schätze die Kombination aus Technik und Sprache sehr.

Ich laufe gerne vor Problemen davon 😉

Als Ausgleich zur vielen Zeit am Schreibtisch und um den Kopf frei zu kriegen gehe ich oft laufen. 😉 Viel zu selten gehe ich wandern und auf der Urlaubsliste stauen sich diverse Wandervorhaben, wie z.B. der West Highland Way in Schottland.

Ich trink Schokolade

Ich bin ganz heiß auf Trinkschokolade – eines meiner schlimmsten Laster 😉 und leider vielerorts auch eine bittere Enttäuschung. Daher bin ich nun stolzer Besitzer eines Trinkschokoladenerhitzers – ein wahres Wunderwerk der Technik. Dem geneigten Leser sei an dieser Stelle Camondas echte dunkle Trinkschokolade vom Autor wärmstens empfohlen.

Ich mag Wortspiele

und habe dabei eine unnatürlich hohe Schmerzschwelle. Ich hoffe das wirkt jetzt nicht konstruiert … Keine Angst, dass war der letzte Punkt. 🙂

Gerne würde ich das Stöckchen nun weiterreichen, aber die von mir verfolgten Blogs wurden entweder bereits nominiert oder derartige Awards sind dort unüblich.

So, nun ist zumindest der Weihnachtsbeitrag nicht mehr ganz oben. Vielen Dank fürs Lesen! 🙂

Frohe Weihnachten

Das Jahr ist fast vollendet,
bald heilig wird die Nacht.
Die Grüße sind versendet,
die Lieben sind bedacht.

So schreitet die Zeit voran.
Jawohl, sie bleibt nicht stehn!
Jawohl! Auf gleiche Weise,
wollen wir unsere Wege gehn.

Und doch wollen wir bedenken,
die vergangene Zeit.
Für die Zukunft soll sie schenken:
Halt und Heiterkeit.

In diesem Sinne ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest liebe Leserinnen und Leser.  🙂

Buchbericht: Vom Schlechten des Guten

oder Hekates Lösungen von Paul Watzlawick

Kurzweilig und humorvoll beschreibt Paul Watzlawick sogenannte Patendlösungen um ins Verderben zu laufen. Das mag an und für sich nicht sonderlich wissenswert wirken und doch scheinen diese Lösungen aufgrund der von ihnen suggerierten Sicherheit und Absolutheit häufiger Anwendung zu finden als man es für möglich hält.

Dabei nimmt Watzlawick den Leser an die Hand und versucht ihn mittels einer kleinen 123-seitigen Reise durch einige Problemanschauungen und zugehörige Lösungsstrategien zu sich selbst zu führen. Seine Argumentation stützt er dabei durch zahlreiche wertvolle Literaturstellen deren Verbindung das Buch lesenswert machen.

Den Anfang nimmt die Diskussion bei Shakespeares Macbeth, der getrieben von seinem Machthunger den Mächten der Schicksalsgöttin Hekate verfällt und dabei auf grausame und selbstzerstörerische Weise zugrunde geht.

Die folgenden Stationen der Reise sind weniger bekannt, dafür aber näher an der gefühlten Realität. Ihnen ist gemeinsam, dass sie durch Reduktion versuchen Sachverhalte fassbar und dadurch lösbar zu machen. Der Versuch das Erfühlen der Realität durch sie zu ersetzen, macht sie zu Patendlösungen in denen sich die Realität nur noch in ihrem Scheitern offenbaren kann. Als Anhänger des Konstruktivismus weist Watzlawick allerdings drauf hin, dass die Realität von uns ohnehin nicht erkannt werden kann und sie uns lediglich durch eine Wirklichkeitskonstruktion zugänglich ist oder um es direkt mit Watzlawicks Worten zu sagen:

Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.

Ernst wird sie erst durch das sture Beharren auf einer unpassenden Konstruktion. Als weit verbreitete Patendlösungen sieht Watzlawick die Reduktion von Sachverhalten auf ein gegensätzliches entweder und oder, deren scheinbare Sicherheit in einer möglichst großen Entfernung zwischen richtig und falsch zu liegen scheint. Aber genau dadurch wird auch das Spektrum der Lösungsmöglichkeiten sehr stark einschränkt zumal jedes Extrem auch oft sein Gegenteil enthält.

Eine weitere von ihm angeführte und offensichtlich sehr weit verbreitete Patendlösungen ist das Nullsummenspiel. Unter der Annahme, dass der zu verteilende Kuchen begrenzt ist, besteht die optimale Handlungsstrategie nach der Spieltheorie in einem aggressiven Angriff, denn jeder Verlust des Mitspielers muss zu einem eigenen Gewinn führen. Jeder Beteiligte des Spiels wird zwangsläufig zu dieser Strategie gezwungen oder geht unter. In diesem Spiel sind Macht und Taktik alles was man braucht. Dabei wird ausgeblendet, dass das meiste Miteinander zum Zweck hat Werte zu schaffen die zu groß für einen Einzelnen sind und daher per se kein Nullsummenspiel ist. Interessant ist die Frage, ob Wertschöpfung unter solchen Bedingungen überhaupt effizient möglich ist.

Da keine der dargestellten Patendlösungen vernünftig erscheint, stellt sich die Frage, wieso der Mensch als vernunftbegabtes Wesen diese so oft anwendet. Man mag wohl meinen, dass es an einem Mangel an Selbst und fehlendem Vertrauen liegt. Watzlawick versucht diese Vertrauen anhand von liebevollen Fallbeispielen herzustellen und liefert als letzte Station der Reise dem Leser gute Gründe sich nicht selbst Mangel leiden zu lassen um ihn in die Position zu versetzen aus sich selbst schöpfen zu können, was für das Führen eines selbstbestimmten Lebens zentral ist.

Wer Lust auf mehr und weitere Patendlösungen bekommen hat, wer mitunter wissen möchte warum Männer Ellipsen und Frauen Kreise sind ;), dem ist das Buch durchaus zu empfehlen. Auch weil es schnell gelesen ist und auf unterhaltende Weise viel bietet.

Wertung:

stars_40h

Von Ilsenburg zum Brocken

Auf die Berge will ich steigen,
Wo die frommen Hütten stehen,
Wo die Brust sich frei erschließet,
Und die freien Lüfte wehen.

(Heinrich Heine)

Um der Welt der Rechtecke für ein Weilchen zu entfliehen, habe ich vor Kurzem einen Abstecher in das schöne Ilsetal unternommen. Geplant war ursprünglich eine kurze Rundwanderung von Ilsenburg über die rote Brücke zur Plessenburg, allerdings läuft nicht immer alles wie geplant… 😉

Gestartet ist die Reise am Bahnhof von Ilsenburg und nach knapp einer halben Stunde Fußweg wird man bereits vom satten Grün des Ilsetals umschlungen und vermag kaum ein Rechteck mehr zu finden:

PforteIlsetal

Die Pforte des Ilsetals

Wenn man sich auf den wilden Pfaden die Ilse entlang durchs Grüne schlängelt, wird einem spätestens durch das ein oder andere Schild bewusst, dass man sich Heinrich Heine auf den Fersen befindet aus dessen Harzreise auch das obige Zitat stammt. Da er Die Ilse bereits wortreich bedacht hat, beschränke ich mich auf einige Fotos ;):

Beflügelt von der grünen Pracht schreitet man durch das traumhaft schöne Ilsetal weiter den Harz hinauf. Auch wenn die Wege problemlos begehbar sind, sollte man einen Rest Aufmerksamkeit für die Wahl seiner Schritte aufsparen. Wenn man das tut, dann erreicht man nach knapp einer Stunde die Ilsefälle und kann auf so manchem Fels inmitten der Ilse verschnaufen und das ein oder andere Foto machen:

IlsefälleB

Die Ilsefälle

Kurze Zeit später hat man dann auch schon fast die rote Brücke erreicht und darf einen ersten freien Blick auf den Brocken werfen:

DasZielVorAugen2_impr.jpg

Schnell mag man bei diesem Anblick glauben, dass es zum Brocken ja nun auch gar nicht mehr so weit sein kann und spontan der Wegbeschilderung folgend seine Wanderroute zum Brocken hin abändern. Die Beschilderung ist unmissverständlich, aber die Länge und der Anstieg des Weges entspricht nicht dem optischen Eindruck und führt einen über die Quelle der Ilse entlang des Urwaldstiegs bis hin zum Brocken.

Auf dem Brocken angekommen trifft man so manchen seltenen und flüchtigen Brockenbesucher

Fuchs2

und wird mit einem freien Blick über das Harzer Umland belohnt:

Brockenblick2

Neben der schönen Aussicht gibt es auf dem Brocken auch noch die besten Wiener Würstchen weit und breit, welche allerdings noch flüchtiger sind als der Fuchs und daher fotografisch nicht festgehalten werden konnten.

Für die von mir beschriebene Route sollte man ohne Rückweg etwa 4 Stunden einplanen. Für die Planung weiterer Wanderungen werde ich wohl auf Google Earth zurückgreifen. Die von mir beschrittene Route ist im folgenden Bild weiß eingezeichnet. Der landschaftlich wohl noch deutlich reichere Heinrich Heine Weg ist rot dargestellt und mag anderen Wanderern als Empfehlung dienen.

Übersicht