Buchbericht: Stories Of Your Life And Others (1-3)

Vor einiger Zeit habe ich mich der Leseaktion der wunderbaren Bloggerinnen Miss Booleana, Kathrin und dj7o9 von Stories Of Your Life And Others des ausgezeichneten Ted Chiang angeschlossen. Analog zu den mir inzwischen davon gepreschten Mitleserinnen möchte ich an dieser Stelle mein erstes Zwischenfazit ziehen. Es schildert meine Eindrück zu den ersten drei Geschichten, weshalb man diese zuvor gelesen haben sollte um sich nicht das Leseerlebnis der vielsagenden Geschichten zu schmälern. Dabei sind die Eindrücke nur subjektiv und direkt und trotzdem hoffe ich, dass sie lesenswert sind. 🙂

Die ersten Geschichten handeln wie Kathrin richtig festgestellt hat vom Streben, wobei der Fokus stets auf andere Aspekte gelegt wird. Stets scheint mir bei Chiangs Geschichten der Titel des Buches wunderbar passend zu sein und wie auch der Titel mannigfaltig zu reflektieren.

Tower of Babylon

„Yet through their endeavour, men would glimpse the unimaginable artistry of Yahweh´s work, in seeing how ingeniously the world had been constructed. By this construction, Yahweh´s work was indicated, and Yahweh´s work was concealed.“

Tower of Babylon by Ted Chiang

Anders als beim biblischen Turmbau zu Babel wird hier nicht gebaut um Gott zu trotzen, sondern um ihn und sein Werk im Streben nach Höheren zu ehren. Mir kommt dabei Die Erschaffung Adams in den Sinn. Gemeinsam ist beiden Bauvorhaben allerdings, dass die Gemeinschaft ihr Fundament bildet.

Wenn ich mir den Turm vorstelle, dann scheint mir nicht zuletzt durch den großartigen ersten Absatz der Geschichte neben dem Raum vorallem auch die Zeit den Turm begreifbar zu machen. Für mich ist der Turm ein Sinnbild für die großen Errungenschaften der Menschheit, die wie der Turm nur langwierig und unter größten Anstrengungen erreicht werden können und uns doch, wenn sie erst einmal erreicht wurden, so viel leichter auf bekanntem Pfade emporsteigen lassen.

Der Hauptaspekt der Geschichte ist das Streben und damit auch ein individueller, es ist Hillalums Geschichte. Ich habe mich oft gefragt, ob wir nach etwas Streben um unsere Grenzen zu erkennen und dadurch uns selbst. So würde uns jedes Streben egal in welche Richtung stets auf uns selbst zurückwerfen. So lese ich auch die Geschichte und bin schwer beeindruckt wie Chiang dies sprachlich so geschickt und konsequent in Worte fassen konnte.

And then it came to him: a seal cylinder. When rolled upon a tablet of soft clay, the carved cylinder left an imprint that formed a picture.

Tower of Babylon by Ted Chiang

Understand

I concede his greater ingenuity. It bodes well for his endeavor. Pragmatism avails a savior far more than aestheticsm.

Understand by Ted Chiang

Die liebsten Bücher sind mir, welche einem erlauben nicht nur eine Geschichte sondern vorallem in sich selbst zu lesen. Understand empfand ich schwer zu verstehen, vielleicht gerade weil diese Geschichte einen den Spiegel vorhält? Wobei ein Spiegel ja nur zum Erkennen, nicht aber zum Verstehen taugt. Ist Leon also das Spiegelbild und das Verstehen wird dem Leser überlassen? Verschwindet Leon dann, wenn wir verstanden haben? Und was sollen wir eigentlich verstehen? Uns selbst, also Leon? Leon, den Erstarrten und Erfrorenen, der sich durch einen Albtraum zurück ins und um sein Leben kämpft? Leon, den rein passiven Beobachter, den seine Fähigkeiten mehr interessieren als seine Handlungen? Leon, dem es ausreicht die unzähligen Gestalten zu erkennen, weil erkennen ausreicht um Gefahren auszuweichen? Ausweichen genügt ja um nicht wieder verletzt zu werden? Leon, der sich lieber selbst zerstört als einem Anderen dazu die Gelegenheit zu geben? Interessant!!

Division by Zero

There is nothing which can be multiplied by zero to produce a nonzero result; therefore, the result of a division by zero is literally ‘undefined.

Division by Zero by Ted Chiang

Eine schöne und in meinen Augen sehr empathische Geschichte, die eine Liebebeziehung und Mathematik in Relation setzt. Wenn man bedenkt wie viel Hingabe, Akzeptanz und Verständnis Mathe einem abverlangt, dann wirkt das fast naheliegend. 😉 Nach dem Lesen von Division by Zero mag man beinahe glauben, dass die Beziehung bijektiv sein könnte.. 😉

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5 thoughts on “Buchbericht: Stories Of Your Life And Others (1-3)

  1. Sehr lesenswerte Eindrücke! 🙂
    Ich finde es ja immer besonders spannend und faszinierend, wie wir alle die Geschichten aufnehmen – jeder geht mit anderen Erfahrungen, anderem Wissen und anderen Erwartungen heran und erliest sich die Geschichten auf eine ganz individuelle Art. Und so gibt es zwar immer mal wieder Überschneidungen, aber doch viel Spielraum, um jeweils für sich etwas anderes/ neues in jeder Erzählung zu finden.
    Interessant fand ich gerade den Zeitaspekt in “Tower of Babylon”, den du oben erwähnst. Du hast natürlich recht: Der Turmbau ist nicht nur wegen seiner Ausmaße beeindruckend, sondern auch angesichts der dahinter steckenden Arbeit. Generationen haben daran gebaut, manche Menschen kennen nichts anderes als das Leben auf dem Turm … Während des Lesens hing ich dieser Vorstellung auch kurz nach und habe versucht, mir ein Bild von diesem Leben zu machen, aber irgendwie habe ich diesen Faden dann doch nicht lange verfolgt bzw. beim Bündeln meiner Gedanken wieder vergessen. Danke daher, dass du diesen Punkt in deinem Beitrag aufgegriffen hast!

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  2. Vielen Dank für Dein Kommentar. 🙂 Ich muss gestehen noch nicht alle eure Reviews komplett gelesen zu haben, da ich mit den Geschichten noch nicht durch bin und diese vorher gelesen haben wollte.. Natürlich werde ich das noch nachholen. 🙂

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  3. Hey cool, dass du auch einen Zwischenbericht verfasst hast! 😀
    Understand haben wie Vier wohl alle sehr unterschiedlich aufgenommen, während ich den Eindruck habe, dass Tower of Babylon alle etwas ähnlich empfunden haben. Staunenswert, nachdenklich. Understand ist da anders – da gehe ich mit dir mit. Es gibt (allgemein gesprochen) viele seichte Geschichten, die nur erzählt werden, um zu unterhalten. Das ist hier meines Erachtens nach nicht der Fall, denn die wissenschaftlichen Aspekte sind zu interessant, zu knifflig. Ich habe mir tatsächlich die Frage nie gestellt, was ich aus der Geschichte mit rausnehmen soll und was sie mir sagen will. Ich fand sie zu spannend und habe mich zu gut unterhalten gefühlt und habe erstaunlich wenig darüber nachgedacht ^^” Während des Lesens hat sich bei mir nur der Eindruck ergeben, dass sie die Menschen und Intelligenz ein bisschen über einen Kamm schert. Im Sinne, dass mit einem großen Level an Intelligenz die Emotionalität sinkt und sich der Mensch nicht mehr mit Menschen eines anderen Kenntnisstandes messen kann oder will, sondern das alles einfach aus seiner Wahrnehmung verschwindet. So als ob sie nicht da wären. Dass dieses Abhandenkommen von Emotionalität aber leider auch dafür sorgt, dass man gefährliche Wege geht. Das dürfte dem Dilemma des Wissenschaftlers entsprechen, da gab es in der Geschichte leider einige Beispiele in denen der Fortschritt eine traurige Wende genommen hat.

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    • Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. 🙂 Bzgl. Leons Verfolgungsjagd kamen mir Kurt Gödel mit seiner Angst davor vergiftet zu werden oder John Nash in den Sinn.
      Intelligenz ist denke ich sehr hilfreich um Gegenstände der Wahrnehmung ins helle Licht der Erkenntnis zu ziehen und dadurch begreifbar zu machen. Der Radius unser Wahrnehmung ist aber deutlich größer und umfasst auch alles was erahnt werden kann und erfühlbar ist, aber eben auch ungewiss ist und trügerisch sein kann.

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